Die Goethe/Schiller-Verfilmungen der letzten Jahre. Kabale und Liebe, Goethe! und Die geliebten Schwestern

Alle Jahre wieder schleichen sich deutsche Filmproduktionen in die hiesige Kino- und TV-Landschaft und verfilmen Stoffe aus dem Umfeld der beiden Klassiker. Natürlich sind die Ergebnisse changierend. Manchmal wird mit dem Stoff wirklich nicht mehr als hohe Kultur geheuchelt, manchmal ließ Massentauglichkeit die Filme scheitern aber manchmal bescherten sie uns mit durchaus wertvollen Szenen. Ich finde man sollte sich das Thema nicht schwerer machen, als es ist. Wer Klassiker verfilmt, sollte sie nicht auf einen Podest im Pantheon stellen, damit die Goethe- und Schillerbüsten nicht noch finster dreinschauen. Wichtig ist, zu aller erst einmal, dass sie überhaupt erstmal als Filme funktionieren und nicht als verfilmte Literatur. Die ist nämlich meistens erschreckend langweilig und nur für Achtklässler geeignet, die ein Hörspiel mit Bildern suchen. Wenn sie es aber schaffen nun über 200 Jahre alte Stoffe wie auch immer vermitteln können, sollte man sich für den alternativen Zugriff glücklich schätzen.Aber genug gelabert, kommen wir zu den Filmen:

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(c) ZDF – Petro Domenigg

Leander Haußmann gilt als renommierter Theaterregisseur, der seine Stärke vor allem in peppigen Inszenierungen ausspielen kann. Seine Verfilmung von Kabale und Liebe 2005 setzt auf die originalen Dialoge und auf historische Kostümierung und Kulisse. Die Optik des Films ist durchaus ansehnlich, die Schauspieler überzeugen alle samt und auch über das Weichspülpulver ist in den Liebesszenen von Ferdinand und Luise kann man hinwegsehen. Aber letztlich scheitert der Film doch daran ausschließlich für das bildungsbürgerliche Publikum mit Sitzfleisch gemacht zu sein. Der Film reißt nicht mit und haut nicht vom Hocker, grade weil er den einfachen Weg einer historischen Inszenierung wählt und dabei nicht herausragend ist. Die zwei Grunde, für das sich die Sicht aber trotzdem lohnen kann sind August Diehl und die Verse Schillers, die zwar nicht ganz lebendig aber deren Stärke doch manchmal durchschimmern. Wer interessiert ist, guckt einfach das Ende, den besten Teil des Films.

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(c) Warner Bros

Goethe! macht es nun anders. Historische Kostümierung aber moderne Dialoge. Als Kinofilm aus dem Jahr 2010 zwar jugendlicher aber mindestens genauso bieder wie Kabale und Liebe. Das Goethe-Bild vom romantischen, sentimentalen Jüngling wird durchgehalten, erst zum Ende rührt er die Feder an und verfasst den Werther-Roman. Alexander Fehling als Goethe und Miriam Stein als Lotte machen eine wirklich gute Figur, die Optik ist wirklich durchdacht und liefert schöne Bilder, die man sich gerne mal als Desktophintergründe einstellen kann, nur ist der Inhalt über alle Maßen vermainstreamed, was die typischen Vor- aber vor allem auch Nachteile bietet.

Mit der neusten Produktion Die geliebten Schwestern von 2014 ist Dominik Graf der mit Abstand beste Film über Schiller gelungen. Er handelt über die menage á trois des Dichters mit den Geschwistern Lengefeld und bietet dabei eine glaubhafte Einführung in Schillers klassisches Denken. Zwar kreist der Film dann zu sehr um Bettgeschichten, doch selbst in denen werden verschiedene Typen der emanzipierten Frau des Bürgertums um 1800 dargestellt. Dabei gibt sich der Film aber nicht unnötig schnöselig oder verkünstelt und darin liegt seine große Stärke. Das Freiheitsideal der Klassik könnten viel aufbrausender vermittelt werden, doch wählt Dominik Graf sie vielmehr durch den Rückbezug auf die tragischen Biografien in ihr Gegenteil zu verkehren. Die Befreiung der Lebensstile kommt nicht aus Schillers Ansporn, seine Rolle ist eine ausgesprochen passive, doch bildet er stets den Fixpunkt der weiblichen Verwandlungen. Das kommt zum großen Preis des Wohlstands und der stabilen Identitätsbilder oder, wie die Extremszene der Charlotte von Kalb (Anne Schäfer) zeigt, mit dem totalen Selbstverlust.

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Mein Schiller-Goethe-Bücherturm

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Die gute elizzy91 hat da für den Monat September eine ziemlich coole Challenge-Liste zusammen gestellt. Für heute sollte man einen Bücherturm bauen, was mir sehr gelegen kommt, weil Bücher verschieden anordnen eine meiner absoluten Leidenschaften ist.

Leider ist das Foto von der Qualität her nicht so gut geworden aber ich denke versteht mein Prinzip. Unten sind alle meine Schiller-Bücher angeordnet, dann eine ziemlich alte Ausgabe vom Goethe-Schiller-Briefwechsel und darauf sind Bücher vom alten Goethe gestapelt.

Germanistenleben und so.

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