SFB-Donnerstag: Bücher außerhalb meiner Reichweite

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(c) wiki commons

Nachdem ich am Montag von mir selbst behauptet habe, einen flexiblen Literaturgeschmack zu besitzen, muss ich mich zur heutigen, wirklich gut gestellten Frage von LAH etwas kritisch beleuchten. Welche Themen bringen mich dazu das Buch wegzulegen oder generell nicht anzufassen? Wofür kann ich mich einfach nicht begeistern? Offen für alles bin ich jedenfalls bestimmt nicht. Ich mag es von meiner Lektüre herausgefordert zu werden. Wenn ich meinen Kopf nicht dazu bringen kann, das Buch als geistiges Rätsel zu betrachten, dann hab ich meistens daran einfach keine Interesse.

Viel problematischer als das ist aber mein Hang zu Klassikern. Von Klassikern weiß ich, dass sie in irgendeiner Hinsicht interessant sind. Beim Lesen kann ich mich dann fragen, was genau es ist, was sie zu Klassikern gemacht hat. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass alles was kein Klassiker ist im ersten Moment auf Skepsis meinerseits stößt. Wenn darüber hinaus ich über keine Kritiker- oder Bekanntenmeinungen weiß, die mich irgendwie das Buch schmackhaft machen können, würde ich es nur in den seltensten Fällen anfangen.

Aus diesem Grund habe ich wohl nie ein Buch eines afrikanischen Autors gelesen. In den Medien, über die ich mich so informiere, wird ja leider nie über afrikanische Literatur berichtet. Und selbst wenn, würde ich wahrscheinlich häufiger meine persönliche „Unbedingt-vor-dem-Tod-lesen-Liste“ abarbeiten, als den für mich noch völlig unbekannten literarischen Kontinent zu erkunden. Das ist ziemlich tragisch, weil ja grade an meinem Anspruch, meinen geistigen Horizont beim Lesen zu erweitern und etwas Fremdes zu erfahren, von afrikanische Literatur in vollster Weise entsprochen werden würde.

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Zur Montagsfrage: Was ist die perfekte Lektüre?

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(c) wiki commons. Helen Stratton – Illustration zu einem Hans Christian Andersens Märchen

Früher konnte ich ausgefallene Literatur nie verstehen. Irgendwie hatsie mich nie betroffen. Das Schicksal anderer Menschen war mir egal, wenn ich mich nicht selbst in ihnen wiederfinden konnte. Also war mein Geschmack ziemlich einseitig: Murakami, Kafka, Comics, Heldengeschichten.. Ich wollte von Menschen lesen, die irgendeine Seite meines Charakters bedienen und war enttäuscht, wenn das nirgends zu finden war. Dann kam mein Germanistik-Studium und ich wurde mit viel mehr Literatur konfrontiert, bei denen die Figuren nicht so sind wie ich. Das hieß aber auch, dass in dieser Umbruchphase lesen nicht immer Spaß gemacht hat, sondern ziemlich anstrengen und mühsam war.

Heutzutage bin ich aber glücklich mit meiner weitaus flexibleren Lesegewohnheit, auch wenn sie noch um ein einiges flexibler sein sollte. Von Literatur erwarte ich heutzutage, dass sie nur noch bis zu einem bestimmten Grad so sind wie ich, um mich aus meiner Alltagswelt abzuholen, Aufmerksamkeit zu erregen und empfänglich zu machen, und danach ganz unterschiedlich zu mir sind, um mir etwas faszinierendes Anderes zu zeigen und mich an Orte führen, auf die ich selbst nie kommen würde. Wenn diese Orte dann auch noch so sehr betreffen, dass man sich gezwungen fühlt sich selbst überdenkt, dann ist für mich die perfekte Lektüre erreicht, die erst im Kopf des Lesers wirklich beginnt.

 

Die Goethe/Schiller-Verfilmungen der letzten Jahre. Kabale und Liebe, Goethe! und Die geliebten Schwestern

Alle Jahre wieder schleichen sich deutsche Filmproduktionen in die hiesige Kino- und TV-Landschaft und verfilmen Stoffe aus dem Umfeld der beiden Klassiker. Natürlich sind die Ergebnisse changierend. Manchmal wird mit dem Stoff wirklich nicht mehr als hohe Kultur geheuchelt, manchmal ließ Massentauglichkeit die Filme scheitern aber manchmal bescherten sie uns mit durchaus wertvollen Szenen. Ich finde man sollte sich das Thema nicht schwerer machen, als es ist. Wer Klassiker verfilmt, sollte sie nicht auf einen Podest im Pantheon stellen, damit die Goethe- und Schillerbüsten nicht noch finster dreinschauen. Wichtig ist, zu aller erst einmal, dass sie überhaupt erstmal als Filme funktionieren und nicht als verfilmte Literatur. Die ist nämlich meistens erschreckend langweilig und nur für Achtklässler geeignet, die ein Hörspiel mit Bildern suchen. Wenn sie es aber schaffen nun über 200 Jahre alte Stoffe wie auch immer vermitteln können, sollte man sich für den alternativen Zugriff glücklich schätzen.Aber genug gelabert, kommen wir zu den Filmen:

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(c) ZDF – Petro Domenigg

Leander Haußmann gilt als renommierter Theaterregisseur, der seine Stärke vor allem in peppigen Inszenierungen ausspielen kann. Seine Verfilmung von Kabale und Liebe 2005 setzt auf die originalen Dialoge und auf historische Kostümierung und Kulisse. Die Optik des Films ist durchaus ansehnlich, die Schauspieler überzeugen alle samt und auch über das Weichspülpulver ist in den Liebesszenen von Ferdinand und Luise kann man hinwegsehen. Aber letztlich scheitert der Film doch daran ausschließlich für das bildungsbürgerliche Publikum mit Sitzfleisch gemacht zu sein. Der Film reißt nicht mit und haut nicht vom Hocker, grade weil er den einfachen Weg einer historischen Inszenierung wählt und dabei nicht herausragend ist. Die zwei Grunde, für das sich die Sicht aber trotzdem lohnen kann sind August Diehl und die Verse Schillers, die zwar nicht ganz lebendig aber deren Stärke doch manchmal durchschimmern. Wer interessiert ist, guckt einfach das Ende, den besten Teil des Films.

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(c) Warner Bros

Goethe! macht es nun anders. Historische Kostümierung aber moderne Dialoge. Als Kinofilm aus dem Jahr 2010 zwar jugendlicher aber mindestens genauso bieder wie Kabale und Liebe. Das Goethe-Bild vom romantischen, sentimentalen Jüngling wird durchgehalten, erst zum Ende rührt er die Feder an und verfasst den Werther-Roman. Alexander Fehling als Goethe und Miriam Stein als Lotte machen eine wirklich gute Figur, die Optik ist wirklich durchdacht und liefert schöne Bilder, die man sich gerne mal als Desktophintergründe einstellen kann, nur ist der Inhalt über alle Maßen vermainstreamed, was die typischen Vor- aber vor allem auch Nachteile bietet.

Mit der neusten Produktion Die geliebten Schwestern von 2014 ist Dominik Graf der mit Abstand beste Film über Schiller gelungen. Er handelt über die menage á trois des Dichters mit den Geschwistern Lengefeld und bietet dabei eine glaubhafte Einführung in Schillers klassisches Denken. Zwar kreist der Film dann zu sehr um Bettgeschichten, doch selbst in denen werden verschiedene Typen der emanzipierten Frau des Bürgertums um 1800 dargestellt. Dabei gibt sich der Film aber nicht unnötig schnöselig oder verkünstelt und darin liegt seine große Stärke. Das Freiheitsideal der Klassik könnten viel aufbrausender vermittelt werden, doch wählt Dominik Graf sie vielmehr durch den Rückbezug auf die tragischen Biografien in ihr Gegenteil zu verkehren. Die Befreiung der Lebensstile kommt nicht aus Schillers Ansporn, seine Rolle ist eine ausgesprochen passive, doch bildet er stets den Fixpunkt der weiblichen Verwandlungen. Das kommt zum großen Preis des Wohlstands und der stabilen Identitätsbilder oder, wie die Extremszene der Charlotte von Kalb (Anne Schäfer) zeigt, mit dem totalen Selbstverlust.

11 Gegensätze: Ein dickes und ein dünnes Buch

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Elizzy91 hat in ihrer heutigen Challenge wieder mal den Blick ins Bücherregal provoziert. Sie hat sich wirklich zwei interessante Beispiele ausgesucht und zufällig hat Zehn Wahrheiten von Mirana July ein wirkliches ähnliches Konzept wie meine Bücher, die aus kurzen Wahrheiten bestehen, selbst wenn man diese nicht sofort versteht oder es sich vielleicht schon um abgelaufene Wahrheiten handelt.

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Das flache Buch ist eine der schönsten Gedichtzyklen, die es so gibt. Sonette an Orpheus in einer schlichten und übersichtlichen Ausgabe verlegt vom Insel-Verlag. Mit den magischen Versen kann man den ganzen Tag lang mit Lesen verbringen und beim Interpretieren fühlt man sich immer wieder wie bei einem Rätselspiel. Doch die Verse müssen nicht einmal verstanden, um genossen zu werden, so musikalisch sind sie geschrieben. Purer Sprachzauber.

Die Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer ist eine mittelalterliche Kurzgeschichtensammlung, bei der sich  24 Pilger aus den verschiedensten gesellschaftlichen Zusammenhängen gegenseitig ziemlich derbe Erzählungen darbieten. Dabei entsteht ein lustig-buntes Panorama von spätmittelalterlichen Vorstellungen, was mit so viel Ironie und Scherz gezeichnet ist, dass es immer wieder die Mittelalterklischees unterläuft. Meine Lieblingsgeschichte ist die Erzählung die vom Ablaßkrämer, wo drei Freunde ihren vierten verstorbenen Kumpanen bedauern und ausziehen um den Tod zu töten.

Ich zitiere… „Ich sitze und lese einen Dichter“ aus Malte Laurids Brigge von R. M. Rilke

In ‚Ich zitiere…‘ sammeln wir in regelmäßigen Abständen Zitate, denen wir begegnen und festhalten wollen. Ein Lesetagebuch als Zitatsammlung.

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(c) wiki commons: R. M. Rilke von Leonid Pasternak

Aus: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke:
„Ich sitze und lese einen Dichter. Es sind viele Leute im Saal, aber man spürt sie nicht. Sie sind in den Büchern. Manchmal bewegen sie sich in den Blättern, wie Menschen, die schlafen und sich umwenden zwischen zwei Träumen. Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum sind sie nicht immer so? Du kannst hingehen zu einem und ihn leise anrühren: er fühlt nichts. Und stößt du einen Nachbar beim Aufstehen ein wenig an und entschuldigst dich, so nickt er nach der Seite, auf der er deine Stimme hört, sein Gesicht wendet sich dir zu und sieht dich nicht, und sein Haar ist wie das Haar eines Schlafenden. Wie wohl das tut. Und ich sitze und habe einen Dichter. Was für ein Schicksal. Es sind jetzt vielleicht dreihundert Leute im Saale, die lesen; aber es ist unmöglich, daß sie jeder einzelne einen Dichter haben. (Weiß Gott, was sie haben.) Dreihundert Dichter gibt es nicht. Aber sieh nur, was für ein Schicksal, ich, vielleicht der armseligste von diesen Lesenden, ein Ausländer: ich habe einen Dichter. Obwohl ich arm bin. Obwohl mein Anzug, den ich täglich trage, anfängt, gewisse Stellen zu bekommen, obwohl gegen meine Schuhe sich das und jenes einwenden ließe.“

Der in Paris vereinsamte Malte flieht sich in seiner Freizeit in die Dichtung Verlaines und findet in ihm das Liebste, was ihm in seiner schweren Zeit geboten wird. Das Zitat vermittelt ziemlich gut das intime Verhältnis, dass beim Lesen aufgebaut wird. Niemand sonst, nur das Ich allein darf über in eine Beziehung zum Dichter treten, sonst ist dieses exklusive Gefühl verletzt. Malte hat keine andere Form von Intimität, kann sich deshalb nicht eingestehen, dass Verlaine von allen gelesen wird, und die 300 andere Leser ein ebenso intimes Verhältnis zu ihren Dichtern haben.

Follow Friday: Der sonderbarste Ort der Literatur…

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Auf A Bookshelf Full of Sunshine wird jede Woche eine schöne Literatur bezogene Frage gestellt. Über die Frage dieser Woche könnten Buchblogger wirklich ganze Kindergärten ruhig stellen, glaube ich. Sie lautet: Was war der sonderbarste Ort, an den ihr je durch ein Buch gereist seid? Also will auch ich mich dieser Grundfrage jeder Lesers stellen und ziemlich sicher antworten:

Buchhaim! Aus dem Labyrinth der träumenden Bücher von Walter Moers.

Ich plane bald noch mal ausführlicher über diese so fantasievollen Ort zu schreiben, also vorerst nur einzelne Gedanken. Buchhaim ist der niedergeschriebene Ort aller Leseverrückten, weil es eine Stadt ist die von Organisation bis zum Einzelmenschen hin nur durch Bücher strukturiert ist. Das Machtzentrum bilden Antiquariate und Literaturkritiker, weil den größten Einfluss darauf haben, was gelesen wird. Und weil wirklich jeder die ganze Zeit liest, ist das für die Bevölkerung ziemlich fatal.

Walter Moers Roman wäre aber kein Abenteuerroman, wenn es nur darum ginge und doch sind die in Buchhaim geflossenen Ideen so liebevoll und kreativ umgesetzt, dass man nicht umhinkommt ständig ins Staunen zu kommen. Es ist ein wirklich ganz großer Roman, den ich auch an meine germanistischen und literaturwissenschaftlichen Kommilitonen immer wieder empfehle!

Aber soviel von mir, bin gespannt auf die anderen Beiträge.

Gedanken zum Studium

Es ist an sich egal, was man studiert, oder wie man sich weiterbildet. Ob man handwerklich begabt ist und dort seine Passion gefunden hat und hinter jedem unberührten Stück Holz oder Metall ein neues Projekt sieht. Oder ob man gerne Bücher liest, sich durch die Erzählungen lebendig fühlt und dies die Quelle des Wissens und Erfahrungsschatzes bildet. Es ist unabhängig davon, welchen Weg man einschlägt, es geht darum Interesse zu wecken und Leidenschaften zu entwickelt.

Etwas zu besitzen, was unabhängig von anderen Dingen existiert, etwas, das einem ganz allein gehört, weil es aus dem innersten des Herzens entspringt. Der Alltag kann nach und nach betäubend wirken und die Sinne schwächen, man ist nicht mehr aufmerksam, nicht mehr wirklich wach.

Mir hat es immer geholfen, Phantasie und Gedankenkraft in den Alltag fließen zu lassen. Die einfachsten, banalsten Situationen sind meist urkomisch und total lustig. Somit kann dem schlafwandelnden Zustand entgangen werden, der aufkommt, wenn man sich nicht direkt und bewusst mit seiner Umwelt befasst. Sich nicht so zu fühlen, als würde man nur einen mechanischen Zyklus durchlaufen. Durch Bildung kann man sich einen freien, eigenen Zugang zur Welt schaffen. Die Welt wird immer schöner, größer und bunter, je mehr man über sie erfährt. Deshalb lohnt es sich, seine Gedankenwelt zu weiten, indem man sich intensiv mit Themen befasst, auch wenn man an Grenzen stoßen wird. Jedoch sind Grenzen und Hindernisse bekanntermaßen da, um überwunden zu werden.

Die momentanen Weltgeschehnisse können sehr beängstigend sein, sehr verwirrend, tief miteinander verwoben und  undurchdringlich erscheinen. Trump, die AfD oder die soziale Ungerechtigkeit sind Themen, mit denen man sich am liebsten nicht beschäftigen würde. Wieso sollte ich nicht einfach das Radio oder den Fernseher ausschalten und abwarten, bis der ganze Zirkus vorbei ist?

Eine Form der Selbstliebe sollte uns genau davon abhalten. Ich möchte geistig vital bleiben, ich möchte meine Umwelt aktiv mitgestalten und Möglichkeiten wahrnehmen und mir meiner Fähigkeiten bewusst werden. Denn wir gestalten unsere Zeit. Ob wir es bemerken oder nicht, wir tun es.

Es kann sehr befreiend und belebend sein, wenn man sich von zu hocheingeschätzten Werten wie Geld oder Statusdenken trennt, Dinge, die abhängig und vergänglich sind, jedoch für manche schwerwiegender sind bei der Frage, wie man sein Leben leben möchte. Möchte ich schlafwandeln oder wach sein.

Durch Lernerfahrungen wurde in mir oft das Kind wieder erweckt, Entdeckerlust und aha-Momente machen alles spaßiger und das möchte ich nicht missen. Also, wer Leidenschaften und Talente hat, sollte an diese anknüpfen und aufbauen, egal ob es in einem Studium oder einer Ausbildung mündet. Das wichtige ist, seine Umwelt gestalten zu wollen und nie die Kraft der Gedanken und Ideen verfliegen zu lassen.

SFB-Donnerstag #25: Wo fehlt der Ruhm?

Unser jüngst gegründete Blog muss ein bisschen gefüllt werden! Was bietet sich da mehr an als Blogaktionen? LAH hat die Frage gestellt welche Bücher unserem Empfinden viel zu wenig Ruhm und Ehre zuteil wird. Mir fallen da dermaßen viele ein, aber um mich kurz zu halten, stell ich kurz meine Favoriten vor.

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(c) Egmont Children’s Books

Die Buchvorlage zu den Disney-Filmen und Serien ist dermaßen lustig, traurig, tragisch, emotional und schlau, dass ich es wirklich bedaure, sie so in Vergessenheit geraten zu sehen. Im Vergleich zum Original sind die Buchfiguren nämlich ziemlich tiefgründig und sind voller ernst gemeinter Lebensweisheiten, von denen ich selbst bei meiner ersten Lektüre als 21-jähriger noch sehr beeindruckt war. Die Illustrationen von Ernst Shepard sind auch wirklich extrem schön. Mehr Herz kriegt man wirklich nirgendwo.

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(c) Dell

Für die Peanuts gilt eigentlich genau das selbe. Nur ist die Serie nicht deutlich schlechter als das Original. Das kann nämlich erst wirklich seine vollste Wirkung entfalten, wenn man sich regelmäßig an die Tollpatschigkeiten von Charles gewöhnt hat. Die Sachen, die er immer wieder falsch macht haben so eine tiefe Ironie in sich, dass man nicht umher kommt als beim Frühstückstee gut gelaunt in den Tag zu starten. Charles hat schon wieder den Football verfehlt. Irgendwie ist also noch immer alles ok mit der Welt, selbst wenn man nun erwachsen ist.

Ich freu mich schon auf nächste Woche!

Weiter Teilnehmer: 

Corlys Moviewelt

filmexe

LAH

Bette Davis left the bookshop

Mein Schiller-Goethe-Bücherturm

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Die gute elizzy91 hat da für den Monat September eine ziemlich coole Challenge-Liste zusammen gestellt. Für heute sollte man einen Bücherturm bauen, was mir sehr gelegen kommt, weil Bücher verschieden anordnen eine meiner absoluten Leidenschaften ist.

Leider ist das Foto von der Qualität her nicht so gut geworden aber ich denke versteht mein Prinzip. Unten sind alle meine Schiller-Bücher angeordnet, dann eine ziemlich alte Ausgabe vom Goethe-Schiller-Briefwechsel und darauf sind Bücher vom alten Goethe gestapelt.

Germanistenleben und so.

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Weitere Teilnehmer:

isi2302

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‚Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir. Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.‘ -Walter Moers

feaFrüher habe ich ziemlich oft Zitate wie diese als romantische Plappereien abgetan, die irgend so ein Schriftsteller verfasst hat, um sich ein Mysterium aufzubauen, über das man möglichst Nachdenken aber nicht Durchschauen sollte. Ziemlich oft habe ich in meiner Einstellung damals Literatur nicht ernst genommen. Dabei sind grade diese zwei Zeilen so tiefsinnig und vielschichtig, unabhängig von Walter Moers Intention beim Setzen der Wörter in der Stadt der träumenden Bücher, sondern wegen ihrer Lebensweisheit, die sie so einfach ausspricht, als würde sie nicht mal eine sein.

‚Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde‘, ist ein vielleicht etwas generischer Aphorismus, der aber deswegen generisch wirkt, weil seine drei Schlagwörter ziemlich oft gebrauchte Wörter der Poesie sind. Leben, Reisen, Fremde. Wieso ist das Leben eine Reise und wieso führt sie in die Fremde? Die Antwort zu dieser Frage ist für mich das Bild des modernen Lesers.

Schon Frodo, der kleine Hobbit aus dem Auenland, führt es uns vor. Nur durch seine Reise in die Fremde erfährt er von den Gräueln und Wundern seiner Welt. Grade weil er seinem bequemen Wesen trotzt und sich für das Abenteuer entscheidet, sieht er, dass nicht alles im Leben Gartenarbeit und Stubenhocken ist.

Der Mensch ist in einer ziemlich ähnlichen Situation. Wir sind alle auf die Welt gekommen und an Sachen geschnürt, von denen wir uns mal leichter mal schwerer lösen können. Den Anspruch zu haben sich von all diesen Sachen zu entledigen, kann nicht gut gehen, weswegen man zum Buch greifen muss. In der Literatur erfährt man von anderen Welten. Sie sind die Stationen der Sternreise des Lesers. Jeder dieser Sterne ist anders, aber grade in dieser Fremdheit erscheinen sie als zu bewältigende Reise. Der Nachteil an der Sache ist – Lesen lässt in den aller meisten Fällen nur allein. So ist die Reise des Lesers eine ziemlich einsame Tätigkeit. Aber grade das beweist ihren Wert.

Wir leben zwar alle in Gesellschaften und in sozialen Geflechten, doch ist die Lektion des Lesens, dass sich nur durch die einsame Reise das Leben entfaltet. Lebensöffnung und Horizonterweiterung sind nicht einfach zu erreichen, von daher ist die Reise auch noch beschwerlich – von Stern zu Stern kommt man halt nicht einfach. Sie fordern Denkprozesse und Offenheit, einen Leser, der sich ergreifen lässt und ergreift, und die Akzeptanz für das Andere, wie immer das auch aussehen mag.

Literatur lesen heißt sich auf eine Fremde einzulassen, die es in Wirklichkeit gar nicht mal gibt. Man kann den Tag ruhig mit dem Bekannten verbringen, doch ist seine Stagnation und seine Starre beängstigend. Das Leben im Immergleichen stumpft nicht nur gegen Unbekanntes ab, sondern zeigt auch noch auf, wie schlimm die Langeweile ist. Niemand will der Hobbit sein, der zuhause bleibt.