Der Nachklang gelesener Bücher

Der Leseprozess  ist ein spezielles Thema und nicht immer einfach, teilweise auch mühselig.  Jedoch ist die Nachwirkung von Gelesenem für mich fast schon wertvoller, da, wenn es in Berührung tritt mit Themen aus dem eigenem Leben, neue Verknüpfungen schafft und Platz für neue Assoziationen, die eigene Welt etwas größer wird. Diese Rubrik soll eine Plattform sein, um in Erinnerungen zu schwelgen und den Nachklang gelesener Bücher, sei es der Fantasy-Roman aus der Kindheit oder das ehemals gehasste Drama aus der Schulzeit, oder sonst ein Buch, zu reflektieren.

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Virginia Woolf, 1902

Es gibt bis jetzt noch kein Buch, welches mein Denken so entscheidend beeinflusst hat und mir neue Wege und Türen geöffnet hat, wie „a room of one’s own“ von Virginia Woolf. Beim Lesen selbst wurde ich schon in ihren Bann gezogen, da ihre Wortfindung und der gesamte Lesefluss so kurvenartig und zugleich pointiert ist, dass immer, wenn bei mir der Anschein von Anstrengung oder Langeweile aufkam, eine neue Fassette des Feldes beleuchtet wurde und mich von neuem mitriss. Von der Oberfläche bis hinab zu dem Kern, sehr logisch und treffsicher, beschäftigt sie sich mit dem Thema: Frauen und Literatur. Dieses Essay ist eine kleine Zeitreise und anthropologische Studie zugleich, verknüpft mit gesellschaftlichen und aktuellen Ursachen der Thematik.

Auch kein anderes Buch beziehe ich so oft in Diskussionen ein und scheine so leidenschaftlich davon zu erzählen, dass zwei Freunde das Buch gleichzeitig ausleihen wollten und dadurch ein kleiner Streit entstand!! Ich bin mir ziemlich sicher, dass das das ultimative Ziel jedes_r Autors_in ist.

Bildquelle: http://fivebooks.com//app/uploads/2016/06/virginia-woolf.jpg

 

Zur Montagsfrage: Was ist die perfekte Lektüre?

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(c) wiki commons. Helen Stratton – Illustration zu einem Hans Christian Andersens Märchen

Früher konnte ich ausgefallene Literatur nie verstehen. Irgendwie hatsie mich nie betroffen. Das Schicksal anderer Menschen war mir egal, wenn ich mich nicht selbst in ihnen wiederfinden konnte. Also war mein Geschmack ziemlich einseitig: Murakami, Kafka, Comics, Heldengeschichten.. Ich wollte von Menschen lesen, die irgendeine Seite meines Charakters bedienen und war enttäuscht, wenn das nirgends zu finden war. Dann kam mein Germanistik-Studium und ich wurde mit viel mehr Literatur konfrontiert, bei denen die Figuren nicht so sind wie ich. Das hieß aber auch, dass in dieser Umbruchphase lesen nicht immer Spaß gemacht hat, sondern ziemlich anstrengen und mühsam war.

Heutzutage bin ich aber glücklich mit meiner weitaus flexibleren Lesegewohnheit, auch wenn sie noch um ein einiges flexibler sein sollte. Von Literatur erwarte ich heutzutage, dass sie nur noch bis zu einem bestimmten Grad so sind wie ich, um mich aus meiner Alltagswelt abzuholen, Aufmerksamkeit zu erregen und empfänglich zu machen, und danach ganz unterschiedlich zu mir sind, um mir etwas faszinierendes Anderes zu zeigen und mich an Orte führen, auf die ich selbst nie kommen würde. Wenn diese Orte dann auch noch so sehr betreffen, dass man sich gezwungen fühlt sich selbst überdenkt, dann ist für mich die perfekte Lektüre erreicht, die erst im Kopf des Lesers wirklich beginnt.

 

11 Gegensätze: Ein dickes und ein dünnes Buch

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Elizzy91 hat in ihrer heutigen Challenge wieder mal den Blick ins Bücherregal provoziert. Sie hat sich wirklich zwei interessante Beispiele ausgesucht und zufällig hat Zehn Wahrheiten von Mirana July ein wirkliches ähnliches Konzept wie meine Bücher, die aus kurzen Wahrheiten bestehen, selbst wenn man diese nicht sofort versteht oder es sich vielleicht schon um abgelaufene Wahrheiten handelt.

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Das flache Buch ist eine der schönsten Gedichtzyklen, die es so gibt. Sonette an Orpheus in einer schlichten und übersichtlichen Ausgabe verlegt vom Insel-Verlag. Mit den magischen Versen kann man den ganzen Tag lang mit Lesen verbringen und beim Interpretieren fühlt man sich immer wieder wie bei einem Rätselspiel. Doch die Verse müssen nicht einmal verstanden, um genossen zu werden, so musikalisch sind sie geschrieben. Purer Sprachzauber.

Die Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer ist eine mittelalterliche Kurzgeschichtensammlung, bei der sich  24 Pilger aus den verschiedensten gesellschaftlichen Zusammenhängen gegenseitig ziemlich derbe Erzählungen darbieten. Dabei entsteht ein lustig-buntes Panorama von spätmittelalterlichen Vorstellungen, was mit so viel Ironie und Scherz gezeichnet ist, dass es immer wieder die Mittelalterklischees unterläuft. Meine Lieblingsgeschichte ist die Erzählung die vom Ablaßkrämer, wo drei Freunde ihren vierten verstorbenen Kumpanen bedauern und ausziehen um den Tod zu töten.

Follow Friday: Der sonderbarste Ort der Literatur…

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Auf A Bookshelf Full of Sunshine wird jede Woche eine schöne Literatur bezogene Frage gestellt. Über die Frage dieser Woche könnten Buchblogger wirklich ganze Kindergärten ruhig stellen, glaube ich. Sie lautet: Was war der sonderbarste Ort, an den ihr je durch ein Buch gereist seid? Also will auch ich mich dieser Grundfrage jeder Lesers stellen und ziemlich sicher antworten:

Buchhaim! Aus dem Labyrinth der träumenden Bücher von Walter Moers.

Ich plane bald noch mal ausführlicher über diese so fantasievollen Ort zu schreiben, also vorerst nur einzelne Gedanken. Buchhaim ist der niedergeschriebene Ort aller Leseverrückten, weil es eine Stadt ist die von Organisation bis zum Einzelmenschen hin nur durch Bücher strukturiert ist. Das Machtzentrum bilden Antiquariate und Literaturkritiker, weil den größten Einfluss darauf haben, was gelesen wird. Und weil wirklich jeder die ganze Zeit liest, ist das für die Bevölkerung ziemlich fatal.

Walter Moers Roman wäre aber kein Abenteuerroman, wenn es nur darum ginge und doch sind die in Buchhaim geflossenen Ideen so liebevoll und kreativ umgesetzt, dass man nicht umhinkommt ständig ins Staunen zu kommen. Es ist ein wirklich ganz großer Roman, den ich auch an meine germanistischen und literaturwissenschaftlichen Kommilitonen immer wieder empfehle!

Aber soviel von mir, bin gespannt auf die anderen Beiträge.

SFB-Donnerstag #25: Wo fehlt der Ruhm?

Unser jüngst gegründete Blog muss ein bisschen gefüllt werden! Was bietet sich da mehr an als Blogaktionen? LAH hat die Frage gestellt welche Bücher unserem Empfinden viel zu wenig Ruhm und Ehre zuteil wird. Mir fallen da dermaßen viele ein, aber um mich kurz zu halten, stell ich kurz meine Favoriten vor.

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(c) Egmont Children’s Books

Die Buchvorlage zu den Disney-Filmen und Serien ist dermaßen lustig, traurig, tragisch, emotional und schlau, dass ich es wirklich bedaure, sie so in Vergessenheit geraten zu sehen. Im Vergleich zum Original sind die Buchfiguren nämlich ziemlich tiefgründig und sind voller ernst gemeinter Lebensweisheiten, von denen ich selbst bei meiner ersten Lektüre als 21-jähriger noch sehr beeindruckt war. Die Illustrationen von Ernst Shepard sind auch wirklich extrem schön. Mehr Herz kriegt man wirklich nirgendwo.

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(c) Dell

Für die Peanuts gilt eigentlich genau das selbe. Nur ist die Serie nicht deutlich schlechter als das Original. Das kann nämlich erst wirklich seine vollste Wirkung entfalten, wenn man sich regelmäßig an die Tollpatschigkeiten von Charles gewöhnt hat. Die Sachen, die er immer wieder falsch macht haben so eine tiefe Ironie in sich, dass man nicht umher kommt als beim Frühstückstee gut gelaunt in den Tag zu starten. Charles hat schon wieder den Football verfehlt. Irgendwie ist also noch immer alles ok mit der Welt, selbst wenn man nun erwachsen ist.

Ich freu mich schon auf nächste Woche!

Weiter Teilnehmer: 

Corlys Moviewelt

filmexe

LAH

Bette Davis left the bookshop