Die Kahlheit der Welt. Eichendorffs ‚Auf einer Burg‘.

bildschirmfoto-2016-09-24-um-17-38-33
von: Projekt Gutenberg

Eichendorff skizziert in Auf einer Burg in wenigen Worten die wohl schönste Szene von Naturkargheit. Oben steht der versteinerte Ritter, über seine Rheinlandschaft blickend, in der sich die Kahlheit der Burg fortsetzt. Die Welt ist still und friedlich, selbst die Vögel des Frühlings haben sich in die Fenster gesetzt und singen jeder für sich ihre Lieder ganz allein. Der Ritter selbst hat sich der Weltbetrachtung verschrieben und scheidet in ruhigster Kontemplation von der Welt, wird bedeckt von der Natur, um in ihr zu sterben und zu ihr zu werden. Das Refugium der Burg ist das zu verteidigende Idealeiner vorzeitlichen asketischen Weltverbundenheit, in der ihre Totalität noch erahnt werden kann. In der vierten Strophe aber wird von der Menschenwelt berichtet – der Regen wird zum Sonnenschein, die stillen Töne weichen der munteren Musik. In der Hochzeit aber, die vermeintlich glücklichste Zeit zweier Liebenden aber auch der Eintritt in das eigene bürgerliche Leben, erfährt die Braut einen melancholischen Wahrheitsmoment: Tränen, die fließen, weil das utopische Bild eines vorzeitlichen Weltgefühls vor langer Zeit verloren und nicht mit dem zeitgenössischen Menschen in Einklang gebracht werden kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s